PB on tour
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Das Persönliche Budget geht auf Reisen

Ende Oktober 2018 reiste die Kampagne im Rahmen der Aktionswoche „PB on tour“ durch Nordrhein-Westfalen. In dieser Zeit veranstalteten die Kompetenzzentren Informationstage zum Persönlichen Budget in Essen, Düsseldorf, Köln, Arnsberg, Greven und Bielefeld. Dabei ging es vor allem darum, zu erklären, wie man das Persönliche Budget verwenden kann, welche Vorteile es bietet, aber auch worauf man achten muss, wenn man diese Leistungsform beantragen will.

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Das Persönliche Budget geht auf Reisen

Ende Oktober 2018 reiste die Kampagne im Rahmen der Aktionswoche „PB on tour“ durch Nordrhein-Westfalen.

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Der gefragte Adventskalaneder - KSL Münster - weihnachtlicher Hintergrund mit 3 Tannenbäumen mit 24 Sternen
Der gefragte Adventskalaneder - KSL Münster - weihnachtlicher Hintergrund mit 3 Tannenbäumen mit 24 Sternen

Adventskalender Münster

Jeden Tag ein Video – Adventskalender des KSL Münster ist online

Zum Adventskalender

Maxi, die Schnecke erfährt im Gespräch mit wechselnden Personen von wichtigen Begriffen aus der Arbeit des KSL Münster. Die täglichen Videosequenzen sollen auf unterhaltsame Weise zum Nachdenken oder kurzen Innehalten anregen. Das Bewusstsein für ein selbstbestimmtes Leben mit Behinderung steht bei dieser Begriffserklärung im Vordergrund.

Der Online-Adventskalender ist bis zum 24.12.2018 auf der Webseite des KSL Münster abrufbar: https://ksl-muenster.de/de

 

Logo KulturTandem - Banner - Links ein mit Pinselstrichen skizziertes Rollstuhlfahrrad mit zwei Personen, einer fährt die vorn im Rollstuhl sitzende Person, rechts daneben der Schriftzug KulturTandem - Das Fest-inklusiv-al
Logo KulturTandem - Banner - Links ein mit Pinselstrichen skizziertes Rollstuhlfahrrad mit zwei Personen, einer fährt die vorn im Rollstuhl sitzende Person, rechts daneben der Schriftzug KulturTandem - Das Fest-inklusiv-al

KulturTandem 2018

Die inklusiven Veranstaltungen der Reihe KulturTandem des KSL Düsseldorf finden in diesem Jahr in Düsseldorf statt, mehr...

Ab dem 16.10.2018 wird es bis Ende November eine Reihe von spannenden inklusiven Kulturveranstaltungen in Düsseldorf geben, wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dem tanzhaus nrw und der Sammlung Philara!

Marcus Windisch (im Bild rechts) vom KSL NRW moderiert einen World Café-Tisch. Links im Bild: Gudrun Nolte von der Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle Wuppertal.
Marcus Windisch (im Bild rechts) vom KSL NRW moderiert einen World Café-Tisch. Links im Bild: Gudrun Nolte von der Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle Wuppertal.

Gemeinsam Teilhabe im Sozialraum sichern

„Bundesteilhabegesetz und Sozialraum. Zusammen neue Wege der Unterstützung finden!“ lautete eine Tagung des Inklusionskatasters NRW im Tagungszentrum Bad Sassendorf. Leistungsträger, Leistungserbringern ebenso wie Leistungsberechtigte hatten die Gelegenheit, sich zu informieren und untereinander auszutauschen. In den Vorträgen, Arbeitsgruppen und Diskussionsrunden ging es vor allem darum, wie sich die Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure für eine gemeinsame Angebotsentwicklung und die Gestaltung inklusiver Sozialräume konkret gestalten lässt.

Vor dem Hintergrund waren die am Nachmittag angebotenen praxisbezogenen Workshops und World Café-Tische von großem Interesse. Hier wurden Fragen der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes in Nordrhein-Westfalen an konkreten Beispielen vorgestellt und diskutiert. Marcus Windisch, Leiter der Koordinierungsstelle der KSL-NRW, und Andreas Tintrup, Projektleiter des KSL Arnsberg, moderierten in dem Rahmen zwei Thementische zu „Sozialraumwissen als Kompetenz von Fachkräften in der Eingliederungshilfe“.

Ulla Röper-Waltemathe, Leiterin Ambulant Betreutes Wohnen des Sozialdienstes Katholischer Männer Lippstadt, machte als Impulsgeberin an einem Tisch beispielhaft deutlich, wie pädagogische Fachkräfte, Pflegekräfte, Alltags- und Genesungsbegleiter im Team zusammenwirken können, um Menschen mit psychischen und Abhängigkeits-Erkrankungen erfolgreich sozialraumorientiert zu unterstützen. In der weiteren Diskussion standen vor allem individuelle Perspektiven der Experteninnen und Experten in eigener Sache, die eigene Rolle als Fachkraft, die Lebensumgebung und Planungsräume im Mittelpunkt. Gudrun Nolte umriss in ihrem Kurzvortrag, wie die Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle Wuppertal als Anlaufstelle individuelle Unterstützung für Menschen mit Lernschwierigkeiten im Sozialraum organisiert.

„Eine wichtige Voraussetzung für Inklusion ist, dass alle Menschen Zugang zu ihren Ressourcen im sozialen Raum haben“, unterstrich Andreas Tintrup. Veranstaltungen dieser Art seien ein wichtiger Impuls für die Zusammenarbeit alle Akteure.  

Rund 150 Gäste nahmen an der Abschlussveranstaltung zur Aktionswoche teil.
Rund 150 Gäste nahmen an der Abschlussveranstaltung zur Aktionswoche teil.

150 Teilnehmer bei Veranstaltung „Das Persönliche Budget - mehr als Geld"

„Das Persönliche Budget gibt mir die Chance, meinen Alltag nach meinen Wünschen und Anforderungen selbstbestimmt zu gestalten.“

„Das Persönliche Budget gibt mir die Freiheit, Leistungen und Personal selbst auszuwählen.“

„Der Antragsweg ist kompliziert. Man muss auch schon mal einen Dickkopf haben. Aber es lohnt sich!“

Am Abschlusstag der Aktionswoche „Das Persönliche Budget – Mehr als Geld“ der KSL.NRW im neuen Rathaus der Stadt Bielefeld zeigten sich Budgetnutzende von dieser Leistungsform überzeugt. Die Veranstaltung des Kompetenzzentrums Selbstbestimmt Leben für den Regierungsbezirk Detmold (KSL-OWL) richtete sich an potenzielle Budgetnutzende, Leistungsträger und -anbieter, Beratungsstellen und alle weiteren am Persönlichen Budget Interessierten. Mitveranstalter waren das Café 3b, die integrative Beratungs- und Begegnungsstätte für Behinderte, die EuTB Bielefeld sowie die Stadt Bielefeld.

Stephan Wieners vom KSL-OWL begrüßte die gut 150 Teilnehmenden und erläuterte noch einmal die Beweggründe der Kompetenzzentren Selbstbestimmt Leben in NRW, dem Persönlichen Budget eine landesweite Kampagne zu widmen. Dies seien vor allem der erweiterte Spielraum in der Gestaltung des individuellen Unterstützungsbedarfs sowie der Rollenwechsel vom passiven Leistungsempfänger zum selbstbestimmt agierenden Kunden, die durch das Persönliche Budget erreicht werden könnten. Ganz im Sinne der UN-BRK lohne es sich daher, für eine verbesserte Information, Beratung, Umsetzung und Nutzung einzutreten und dem Persönlichen Budget zu neuem Schwung zu verhelfen.

Karin Schrader, Erste Bürgermeisterin der Stadt Bielefeld begrüßte die Teilnehmenden und unterstrich, dass Informations- und Diskussionsveranstaltungen wie diese wichtig und notwendig sind. Sie bedauerte, dass sich die Anzahl der Persönlichen Budgets in der Stadt im Laufe der vergangenen zehn Jahre auf einem niedrigen Niveau von rund 70 eingependelt habe. „Da gibt es die Ängste von Betroffenen bzw. deren Angehörigen im Hinblick auf Kürzung von Leistungsansprüchen, Unterversorgung oder Überforderung mit der Verwaltung“, sagte die Bürgermeisterin. „Da gibt es aber auch die Bedenken von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Leistungsträger sowie der Leistungserbringer im Hinblick auf Arbeitsplatzsicherung, Wirtschaftlichkeit und Sicherung des Qualitätsstandards.“ Um dem Persönlichen Budget einen neuen Schub zu geben, müssten deshalb Ängste und Sorgen bei den Menschen mit Behinderung abgebaut werden. Leistungsträger müssten ihr bisheriges Verwaltungshandeln verändern und eine bislang nicht bekannte Flexibilität bei der Umsetzung ermöglichen. Karin Schrader resümierte: „Nur so wird diese Form der Leistung eine wirkliche Alternative und eine effektive und effiziente Hilfeform. Und zwar nicht nur für einige wenige Eingeweihte, sondern für einen größeren Kreis von Menschen mit Behinderungen.“

Leicht verständlich und übersichtlich führten Karin Neuhöfer vom Café 3b und Florian Holstiege von der EuTB Bielefeld noch einmal grundsätzlich in das Thema Persönliches Budget ein, mit dem sie in ihrer alltäglichen Beratungsarbeit regelmäßig beschäftigt sind.

 

Erfahrungsberichte

In einer Podiumsrunde, moderiert von Mesut Can vom KSL-OWL, berichteten Budgetnutzende aus ihrem Alltag: Thomas Drexhage war froh, dass er mit dem Persönlichen Budget etwas ausprobieren konnte, „was nicht in übliche Angebotsschubladen passt“. Er sieht darin vor allem die Möglichkeit, eigenständig und selbstbestimmt entscheiden zu können, ohne aus einem festen Sortiment aussuchen zu müssen. Annette Jablonski schätzt vor allem, dass sie sich die Assistenzen, mit denen sie zusammenarbeiten möchte, selbst aussuchen kann. „Wenn man selbst Chef ist, macht das viel Arbeit, aber es macht auch Spaß“, ermutigte sie die Teilnehmenden. Jan Klocke war schnell begeistert, als er zum ersten Mal von der Möglichkeit eines Persönlichen Budgets hörte. Er wollte nicht in einer Werkstatt arbeiten. Seine Motivation: „Menschen mit Behinderungen können mehr als in einer Werkstatt Tüten zu füllen“, sagte er. Das wollte er auch sich selbst beweisen. Heute lebt der in Herford geborene junge Mann in Bielefeld. Nach einem Praktikum bei einem Verein, der sich für die Belange von Menschen mit Behinderungen engagiert, blieb er dort als fester Mitarbeiter. Heute freut er sich darüber, dass er einen beruflichen Weg einschlagen konnte, der zu ihm passt. Mit dem Persönlichen Budget kann er seinen Alltag selbstbestimmt gestalten.

Frischer Wind

Es folgte eine Gesprächsrunde mit Herrn Wolfgang Völzke, Psychiatriekoordinator der Stadt Bielefeld, der noch einmal einen spannenden Rückblick auf die Anfangsjahre des Persönlichen Budgets warf, in denen die Stadt Bielefeld als Modellregion an der Erprobung des Instrumentes beteiligt war. Beate Graul, Sprecherin des Gemeindepsychiatrischen Verbundes Bielefeld wagte einen Blick von Leistungsanbieterseite auf das Thema und erläuterte mögliche Gründe für die geringe Inanspruchnahme des Persönlichen Budgets. Für Andrea Auner von der Bundesarbeitsgemeinschaft Persönliches Budget e. V. (BAG-PB) war die Tagung eine große Chance, „jetzt noch einmal frischen Wind in die Entwicklung zu bekommen“. „Ich freue mich riesig, dass wir das Thema als Zusammenarbeit der Landschaftsverbände, der Kompetenzzentren Selbstbestimmt Leben NRW und der BAG hingekriegt haben.“ Für Auner ist das Persönliche Budget nur ein Schritt hin zu einer großen Entwicklung: „Wir wollen uns auf den Weg machen, in dieser Gesellschaft inklusiv zu sein“, sagte die BAG-Sprecherin. „Das ist schwer und kein Thema für Menschen mit Behinderungen allein. Es betrifft uns alle, und wir müssen alle darüber nachdenken.“ Es habe sich zwar in den vergangenen Jahren in den Köpfen etwas geändert, aber: „Wir sind noch nicht soweit, dass es ganz leicht für alle ist“, so Auner. „Aber das wollen wir auf den Weg bringen.“

In einer abschließenden Diskussion konnten die Teilnehmenden der Veranstaltung sich an alle Referenten des Tages auf dem Podium wenden und ihre Fragen zu Thema stellen.

 

Eingebettet war die Veranstaltung in die Präsentation der Wanderausstellung und den dazugehörigen Film, welche von den Kompetenzzentren anlässlich ihrer Kampagne zum Persönlichen Budget konzipiert und hergestellt worden waren. Die Wanderausstellung ist noch bis zum 2. November auf der Galerie im 1. Stock des neuen Rathauses in Bielefeld zu betrachten.

 

Auf dem Podium stellte eine Budgetnehmerin ihren Alltag vor.
Auf dem Podium stellte eine Budgetnehmerin ihren Alltag vor.

Aktionswoche „Das Persönliche Budget“: „Sich die Freiheit nehmen.“

Das „Nein!“ kam spontan, und es klang fest und entschlossen. Auf die Frage des Moderators, ob sie sich vorstellen könnte, wieder bei den Eltern zu leben, war Annika Hilles Antwort eindeutig: „Nein!“.

„Wenn Kinder mit Behinderungen das Elternhaus verlassen“ war ein Themenschwerpunkt der Veranstaltung „Das Persönliche Budget – Mehr als Geld“ in der Kulturschmiede in Greven, die vom KSL Münster und der Lebenshilfe Greven gemeinsam gestaltet und durchgeführt wurde. Auf dem Podium berichteten Annika Hille, ihre Mutter Inge Hille und Stefan Brockmeyer, der sie im Alltag unterstützt, den Teilnehmenden von dem gelungenen Auszug Annikas. „Für uns war immer klar und selbstverständlich, dass der Moment des Auszugs irgendwann kommen würde,“ blickte Annikas Mutter zurück. „Als der Zeitpunkt aber dann da war, der Abschied kam und Annika ausgezogen war, da war es dann doch schon ein bisschen komisch. Die ersten Wochen waren dann auch sehr schwierig.“ Aber nicht für Annika, sondern für die Eltern, für die es anfangs nicht einfach war, Annika ihren eigenen Weg gehen zu lassen.

Annika Hille lebt mittlerweile seit acht Jahren in einer eigenen Wohnung in Greven. Das Persönliche Budget ermöglicht ihr ein selbstbestimmtes Leben. Zweimal in der Woche kommt Stefan Brockmeyer zu Annika Hille, um ihren Alltag mit Hilfskräften und Assistenzen zu organisieren. Zurück auf den heimatlichen Bauernhof nach Ladbergen, wo sie mit ihren Eltern und dem Bruder aufwuchs, will sie nicht mehr. „Annika hat ihren Alltag so gestrickt, wie sie es braucht“, sagt Inge Hille. „Ohne das Persönliche Budget hätte sie diese Chance nicht gehabt, das muss man klar sagen.“ Annika Hille hat dadurch viel Freiraum zum Beispiel in der Gestaltung ihrer Freizeitaktivitäten. Sie hat Personen um sich, die sie kennt und die ihr vertraut sind. Für Inge Hille ganz besonders wichtig: „Annika kann das Personal selbst aussuchen und gucken, wer zu ihr passt.“ Und wenn es einmal nicht passen sollte, müsse man sich eben auch wieder von einer Assistenz trennen. Diese Freiheit nimmt auch den Eltern die Sorge, dass Annika sich nicht wohlfühlen könnte.

 

"Mutig sein und machen!"

Ein wichtiger Punkt, denn in der Sorge der Eltern sieht Elisabeth Veldhues häufig eine Bremse, gerade wenn Kinder mit Behinderungen das Elternhaus verlassen und lieber in eine eigene Wohnung, als in eine Einrichtung ziehen möchten. Die ehemalige NRW-Landesbehindertenbeauftragte hat in der eigenen Familie hautnah erfahren, dass mehr Autonomie und Selbstbestimmung zu einer größeren Zufriedenheit und Lebensfreude führen. „Mutig sein und machen“ ist deshalb auch für Elisabeth Veldhues ein wichtiges Signal, das von der Veranstaltung in der Kulturschmiede ausgesendet werden soll: Das Persönliche Budget kann maßgeblich dazu beitragen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Das sieht auch Grevens Bürgermeister Peter Vennemeyer so: „Selbstbestimmt Leben heißt auch, selbstbestimmt Entscheidungen treffen. Egal, ob ein Mensch ein Handicap hat oder nicht!“ Dies könne durch das Persönliche Budget ermöglicht werden. Anke Schwarze, Leiterin des KSL Münster betonte: „Denn jeder weiß selbst am besten, was er oder sie möchte und braucht.“

Martina Siehoff, Manuel Salomon und Regine Bewer (im Bild von links nach rechts) berichteten von ihren Erfahrungen.
Martina Siehoff, Manuel Salomon und Regine Bewer (im Bild von links nach rechts) berichteten von ihren Erfahrungen.

Aktionswoche „Das Persönliche Budget“ : „Mein Leben ist planbarer geworden!“

„Nur weil ich in meinem Leben nicht mehr alles selbstständig lösen kann, heißt das doch nicht, dass ich meine Entscheidungen nicht mehr selbstbestimmt und autonom treffen kann.“ So brachte es Martina Siehoff beim „Tag des Persönlichen Budgets“ im Kulturzentrum Bahnhof Arnsberg auf den Punkt. Das KSL Arnsberg hatte im Rahmen der Aktionswoche „Das Persönliche Budget – Mehr als Geld“ der KSL NRW zur Podiumsdiskussion eingeladen, um auf diese Leistungsform aufmerksam zu machen. Auf großes Interesse stießen dabei insbesondere die Praxiserfahrungen von Budgetnutzenden.

Martina Siehoff bezieht seit 2015 das Persönliche Budget. „Mein Leben ist mit dem Persönlichen Budget planbarer geworden und ich kann meinen Alltag zuverlässiger gestalten“, unterstrich die 57-Jährige, die während einer Reha-Maßnahme auf das Persönliche Budget aufmerksam wurde. Auch in die Organisation des Arbeitgebermodells hat sie sich nach und nach eingearbeitet. Dazu gehört die Auswahl von passenden Assistenzen ebenso wie die Abrechnung von Gehältern und Steuern. Das macht Mühe, die sich für Martina Siehoff aber gelohnt hat. „Vieles, was ich nicht mehr konnte, ging dann dank der Assistenz wieder“, erzählte sie mit Freude über ihre erhöhte Mobilität.

Regine Bewer bestätigte die guten Erfahrungen, die Martina Siehoff mit dem Persönlichen Budget gemacht hat. Sie ist selbst nicht Budgetnehmerin, sondern verwaltet das Persönliche Budget für ihren Zwillingsbruder. Die Teilnehmenden, die überwiegend aus Kommunen und Beratungsstellen nach Arnsberg gekommen waren, trugen ihrerseits zur Diskussion mit der Beschreibung eigener Fälle aus ihrer Beratungspraxis bei. Dabei wurde einerseits deutlich, wie vielfältig die Bedarfslagen sind, womit auch hohe Anforderungen an die zuständigen Beraterinnen und Berater bei den Kostenträgern verbunden sind. Andererseits machten die Beispiele ebenso klar, wie flexibel das Persönliche Budget eingesetzt werden kann, etwa zur Finanzierung einer Assistenz in Schule, im Studium oder am Arbeitsplatz oder einer Begleitperson in der Freizeit.                         

Engagierte Diskussion beim PB-Tag des KSL Köln
Engagierte Diskussion beim PB-Tag des KSL Köln

Aktionswoche „Das Persönliche Budget“: Mehr Flexibilität und Gestaltungsmöglichkeiten

Zum Erfahrungsaustausch rund um das Persönliche Budget hatte das KSL Köln am 23. Oktober in den Kapitelsaal der Kartäuserkirche in der Kölner Südstadt eingeladen und mehr als 50 interessierte Gäste waren gekommen.

„Selbstbestimmung“, „Freiheit“, „Teilhabe“, das waren die prägenden Assoziationen, die beim „Tag des Persönlichen Budgets“ wieder und wieder auftauchten. Neben einem Fachvortrag von Carl-Wilhelm Rößler (KSL Köln) bildete die Podiumsdiskussion mit Budgetnehmerinnen und -nehmern aus verschiedenen Bereichen den Kern der Veranstaltung. Katja Fallenberg (24-Stunden-Assistenz), Sabrina Gallucci (Elternassistenz) und Gottfried Claßen (Freizeitassistenz) berichteten anschaulich und engagiert von den Vorzügen, die das Persönliche Budget Assistenznehmenden bietet.

Zum Beispiel Gottfried Claßen: Er ist Lotse und ehrenamtlicher rechtlicher Budgetbetreuer für seine Tochter. Seine körperlich behinderte Tochter mit anderen Lernmöglichkeiten, so berichtete er den Diskussionsteilnehmern*innen, sei durch das Persönliche Budget wesentlich flexibler geworden: „Die Unterstützung lässt sich dadurch sehr viel individueller auf ihre Wünsche und Bedürfnisse zuschneiden. Das Persönliche Budget ist so ein wirkungsvolles Hilfsmittel zur Selbstbestimmung.“ Seine Tochter ist zufriedener, kann ihre Assistenzen selbst auswählen und muss nicht von außen bestimmte Personen eines Leistungsanbieters akzeptieren. Als große Herausforderung beschreibt Gottfried Claßen insbesondere das Management der Assistenzen. Schließlich, so sagt er, „geht es auch um deren Zufriedenheit. Man muss eine Win-Win-Situation für alle schaffen.“ Assistentin oder Assistent zu sein bedeutet aus seiner Sicht, mehr zu machen als nur einen Job zum Geldverdienen: „Im Laufe der Zeit baut sich eine enge persönliche Bindung auf, weshalb ein häufiger Personalwechsel nicht guttut.“

Zum Beispiel Sabrina Gallucci: Die Beraterin für Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) ist Expertin für Elternassistenz. Wenn die Rollstuhlfahrerin über das Thema „Elternschaft“ spricht, schöpft sie ihre Kompetenz vor allem aus der eigenen Erfahrung als behinderte Mutter einer heute achtjährigen Tochter und zugleich als Budgetnehmerin. Seit sechs Jahren wird sie von persönlichen Assistenten begleitet. „Das Persönliche Budget hat mir geholfen, meine Mutterrolle voll zu leben und den Alltag mit meiner Tochter selbst zu gestalten“, unterstreicht sie. „Das heißt nicht, dass bei uns nur Friede, Freude, Eierkuchen herrscht. Es gibt klare Regelungen, zum Beispiel was die Erziehung angeht.“ Eine davon ist: Die Bezugsperson für die Tochter ist ohne Wenn und Aber Sabrina Gallucci.

Anschließend standen sie den Interessierten mit ihrer Expertise Rede und Antwort. Katja Fallenberg ist auch „Teil“ der KSL-Wanderausstellung zum Persönlichen Budget, die ebenfalls präsentiert wurde. Die Ausstellung bietet einen verständlichen Überblick zum Thema und ist auf der Internetseite des KSL Köln auch digital zu betrachten (https://ksl-nrw.de/de/themen/3/persoenliches-budget).

Mit auf dem Podium saß auch Ulrich Lüking, Teamleiter im Dezernat Soziales beim Landschaftsverband Rheinland (LVR). Er stellte sich den kritischen Fragen der Teilnehmenden und wies ausdrücklich darauf hin, dass der LVR gerne mehr Menschen mit Behinderung für das Persönliche Budget gewinnen möchte.

Mehrere Ausgaben der Broschüre KSL Konkret #1 nebeneinander ausgelegt
Mehrere Ausgaben der Broschüre KSL Konkret #1 nebeneinander ausgelegt

Die erste Ausgabe der KSL Schriftenreihe ist online!

KSL KONKRET #1
Das Persönliche Budget
Ein Weg zu mehr Selbstbestimmung

Direkt zum download

KSL KONKRET #1 bietet in kompakter Form einen Überblick über das Persönliche Budget. Die Broschüre enthält sowohl gesetzliche Grundlagen als auch praktische Tipps zur Antragstellung und wendet sich an alle, die mehr über das Persönliche Budget erfahren möchten.

KSL Konkret #1 enthält folgende Kapitel:

  1. Persönliches Budget – mehr als Geld
  2. Leistungsanspruch und Antragsverfahren
  3. Budgetfähige Leistungen
  4. Der Antrag auf ein Persönliches Budget
  5. Die Zielvereinbarung
  6. Das Arbeitgebermodell – Persönliche Assistenz
  7. Das trägerübergreifende Persönliche Budget
  8. Beratung zum Persönlichen Budget
  9. Anhang – Gesetzliche Grundlagen

Bestellwünsche der Druckfassung bitte per E-Mail an: ksl@nrwps.de